Chronologie

1940
Klaus Lutz wird am 21. März in St. Gallen geboren. Der Vater, Erich Lutz, ist erfolgreicher Kaufmann und Teilhaber eines grossen Modegeschäfts, die Mutter, Gertrud Hiller, bringt ein ausgeprägtes Interesse für Kunst mit. Klaus hat eine ältere Schwester, Therese.

1953
Die Eltern lassen sich scheiden.

1957
Klaus Lutz tritt in die Schweizerische Alpine Mittelschule Davos ein, wo er im Internat lebt. Er ist ein talentierter Klavierspieler und entdeckt die Fotografie.

1960
Nach dem Maturitätsabschluss studiert er insgesamt drei Semester, zuerst Architektur an der ETH, dann kurze Zeit Philosophie und Psychologie an der Universität in Zürich, ohne Abschluss.

1962
Erwirbt in einem halbjährigen Sonderkurs am Seminar Rorschach das Primarlehrerpatent. Teilt seine Zeit zwischen Lehrerberuf und künstlerischer Tätigkeit.

1965
Heirat mit Verena Lehner, ebenfalls Primarlehrerin, mit der er drei Kinder hat: Antonia, Karin und Tobias.

1968
Lernt über den Kaplan Anton Hüppi in Wiesen/Mosnang SG die Texte Robert Walsers kennen. Mietet ein Atelier im Haus der Druckerei Aschmann und Scheller an der Froschaugasse in Zürich, wo er an den Wochenenden arbeiten kann.

1969
Ab Herbst als Lehrer in Camana (Graubünden) tätig. Beginn der Freundschaft mit Reto Hänny, der in der Nachbargemeinde Safien-Platz unterrichtet, sich aber ebenfalls der Kunst zuwendet und Schriftsteller werden will. Erste Radierungen, dann Arbeiten in Kaltnadel.

1971
Trennung von Verena Lehner.

1972
Umzug ins Atelier nach Zürich. Erste Walser-Leporellos – mit der eigenen Biografie verquickte Umsetzungen. Zerstört die meisten seiner vor 1972 entstandenen Arbeiten.

1973
Beschliesst, sich endgültig vom Lehrerberuf abzuwenden. Die Walser-Leporellos werden in den Zürcher Buchhandlungen Kleines Bücherhaus, Elsässer, Rohr, sowie im Buchantiquariat von Walter Lietha in Chur verkauft, was ein bescheidenes Auskommen ermöglicht. Umzug an die Köchlistrasse 3.

1974
Er lernt den über zehn Jahre jüngeren Fotografen Hans Danuser kennen. Klaus Lutz, Reto Hänny und Hans Danuser suchen nach Möglichkeiten, ihre jeweilige Kunst zu erneuern. Klaus Lutz entwickelt seine eigenen Grundzeichen «Tisch», «Lampe», «Stuhl», «Mensch», beziehungsweise «Mann» und «Frau».

1975
Plant zu Robert Walsers Jakob von Gunten ein Werk aus 80 Zyklen, einen zu jedem Abschnitt des Romans. Realisiert werden vier Teile, Jakob von Gunten I-IV.

1976
(?) Lernt Margret Bislin kennen, mit der er eine Tochter hat: Sarah.

1978
Umzug nach Genua, vorerst mit einem Atelierstipendium der Stadt Zürich. Ab Sommer 1979 lebt Klaus Lutz im Dachstock eines ehemaligen öffentlichen Bordells im Vico Colalanza, den er schwarz auskleidet. Er beschäftigt sich mit Hieroglyphen sowie frühen chinesischen Ideogrammen und löst sich mit einer eigenen linearen Zeichensprache von der fast ausschliesslichen Beschäftigung mit Robert Walser.

1980–81
Während der Zeit der «Zürcher Bewegung» lebt er weiterhin zurückgezogen in Genua und nimmt gleichzeitig aus der Distanz intensiv am politischen Geschehen in der Schweiz teil.

1982
Einzelausstellung in der Galleria Arte Verso, die in der Genueser Tageszeitung Il Secolo XIX positiv besprochen wird.

1983
In Transit 1 arbeitet er erstmals mit Gruppen von Drucken, in denen sich die Motive von Platte zu Platte zu einer fortlaufenden Sequenz verbinden. Tod des Vaters.

1984
Gibt mit dem Verein für Originalgraphik (VfO) in Zürich Drucke in grösseren Auflagen von Einzelblättern heraus. In der Folge bleibt er aber bei Leporellos in Kleinauflagen, von denen regelmässig Exemplare über den VfO verkauft werden. Mit dem Erbe des Vaters kann er in Zürich, an der Rütschistrasse 15, wieder ein Atelier mieten.

1987
Erster kurzer Film, Graph, und Vorarbeiten zum Filmprojekt Beschreibung von Subtopia. Tod der Mutter.

1988
Der Film Beschreibung von Subtopia verwendet ‚syntaktische Zeichen‘, die eine Erzählung in Gang setzen und vorantreiben, sowie ‚semantische‘ Zeichen als deren Inhalte.

1989
Stellt den monumentalen Druckzyklus Terminal aus 25 Leporellos fertig. Mit Mach zeigt er erstmals eine ‚Performance mit Film‘. Deren Aufführung wird an den Internationalen Film- und Videotagen (Viper) in Luzern mit Befremden quittiert, ebenfalls diejenige von Hipparcos im Jahr darauf.

1991
Arabia, erstes als Loop konzipiertes Leporello und erster Film mit runder Maskierung, Arabia 2.

1993
Stipendiat im Atelier der Stadt Zürich am West Broadway in New York. Realisiert mit Field of Powder 2 seinen ersten Film mit rundem Bildformat und sphärischer Abbildung.

1994
Mietet in Manhattan eine Wohnung an der 110 East 7th Street, in der er bis zu seinem Tod leben und arbeiten wird. Den kubischen Raum kleidet er schwarz aus und benützt ihn als Filmstudio, in dem er sich durch selbst zusammengestellte Optiken als kleine Figur aufnehmen kann.

1997
Hans und Brigitta Danuser beginnen systematisch seine täglichen Notizen, Übungen zur chinesischen Schrift und Zeichnungen zu sammeln.

1998
Erste Einzelausstellung mit Performances in New York: Between Rise and Set in der Galerie De Chiara/Stewart.

1999
Frank Matter realisiert das einzige existierende filmische Porträt des Künstlers und seiner Arbeitsmethoden, während der Film The Beauty of My Island entsteht. Einzelausstellung im Helmhaus Zürich, mit permanent im Ausstellungsraum laufenden Projektionen auf grosse Ballons.

2002
In der Kaltnadel-Suite Bigstarway erprobt Klaus Lutz eine neue fliessende Gesamtform, ähnlich wie in seinen Filmen entsteht eine ausgeprägte Tiefenwirkung: zwischen rhythmisch verteilten grösseren Formen entspinnt sich aus kleinteiligen Zeichen eine in Drehungen und Wendungen angelegte Erzählung.

2004
Beginn der Zusammenarbeit mit der Galerie Staub(g*fzk!) (dann Staubkohler) in Zürich.

2006
Die Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek erwirbt von Walter Lietha dessen Sammlung von rund 50 Leporellos des Künstlers.

2007
Präsentation des Gouachen-Leporellos Pas de deux in der Bibliothek des Kunstmuseums Basel. Realisiert die grossformatigen Zeichnungen der Installation Palazzo Zu. Wird durch die Rotwand Galerie in Zürich vertreten.

2009
Abschluss der Drucksuite Marsschatten. Der Film Viva Achille bleibt unvollendet. Klaus Lutz verstirbt am 9. September in New York, zwei Tage vor einer geplanten Reise ans Toronto International Film Festival zur Vorführung von Titan.

(Zusammengestellt von Hannes Schüpbach)